Spottlieder bei der Beerdigung Drucken E-Mail
Dienstag, den 19. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Das Singstück „Happy Kadaver“, das sich Regisseur Dennis Witton ausgedacht hat, und die Theatergruppe Dell' Arte aufführt, gerät zur Analyse zwischenmenschlichen Verhaltens. Die Schauspieler haben extra Gesangsunterricht genommen.

Dell' Arte

Verführungen, Verletzungen, Trennungen, Geläster und Flirts - während der Beerdigungsfeier entspinnt sich allzu Menschliches - und alles wird gesungen. (Bild: Musick)
Kerpen - Das ist wohl keine netter, treuer und anständiger Kerl gewesen, der da zu Grabe getragen wird. Die zahlreich erschienenen Frauen schluchzen zwar. Doch zu den Rosen, die sie dem Mann in die Grube werfen, gesellen sich Schimpfworte und abfällige Gesten.

Da fängt die Trauergemeinde an zu singen. „Ne fiese Möpp“ heißt die Zeile, die sich immer wiederholt. Die Melodie des kölschen Spottliedes kommt einem irgendwie bekannt vor. Richtig, das ist doch „Ne me quitte pas“ vom belgischen Chansonnier Jacques Brel. So entspinnt sich auf der Bühne im Kerpener Capitol-Theater während der Trauerfeier ein melodiöser Reigen, in dessen Rahmen sich Frauen und Männer erklären, finden und verlieren. Es sind Chansons, alte Schlager, Filmlieder, Gassenhauer des vorigen Jahrhunderts, kabarettistische Singstücke und umgetextete Popsongs, die von den zwölf Darstellern der Theatergruppe „Dell' Arte“ angestimmt werden.

 

Betrogene Ehefrau, heimlich verliebtes Mauerblümchen, versoffenes Luder, Verführerin, gedemütigter Ehemann, selbstverliebter Gewinnertyp - mit den Melodien und Texten durchleuchten die intensiv agierenden Akteure die Charaktere förmlich. Prototypen von Männern und Frauen, deren Verletzungen, Brüche und Sehnsüchte treten zutage.

 

Das Singstück „Happy Kadaver“, das sich Regisseur Dennis Witton ausgedacht hat, gerät immer mehr zur Analyse zwischenmenschlichen Verhaltens. Dass das anhand so bekannter Lieder wie „Bei mir bist du schön“, das die Andrew-Sisters 1937 intonierten, „Ich bin die Rinnsteinprinzessin“, das Edith Jeske für Tim Fischer schrieb, Marlene Dietrichs „Mein Mann ist verhindert“ und dem uralten Filmsong „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ gelingt, ist überaus verblüffend und lehrreich. In erster Linie ist das aber kurzweilig und sehr unterhaltsam.

 

Und man kommt nicht umhin, Witton und seiner Truppe wieder mal anerkennend auf die Schulter zu klopfen. Was „Dell' Arte“ anfasst, gelingt einfach. Auch wenn sich die in klassischen und modernen Theaterinszenierungen erprobten Akteure mal auf ein ganz neues Terrain wie den Liederabend wagen. Unterstützt wird „Dell' Arte“ auf der Bühne von der A-cappella-Gruppe „5 Carat“ mit professionellem Gesang. Aber dank des Gesangslehrers Florian Lehner präsentieren die Schauspieler Ilka Dischereit („Egon“, „Ich bin die Rinnsteinprinzessin“), Natascha Golnow („Mein Mann ist verhindert“), Sonja Engel („Erich“), Michael Schulte („Ich brech' die Herzen der stolzesten Frauen“), Stephanie Schorn („Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“), Eva Nolte („Neandertaler“) und Jörg Saborowski („Barbara“, „Wenn die Frauen nackt sind“) eine gesangliche Leistung auf hohem Niveau. Begleitet werden sie von Guido Ricken am Klavier.

 

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