Mit digitaler Technik in die Zukunft Drucken E-Mail
Donnerstag, den 01. Dezember 2011 um 20:49 Uhr

KERPEN - Auch die Dimensionen werden sich verändern. Noch misst die Filmrolle des aktuellen „Twilight“-Streifens mehr als einen Meter im Durchmesser, bald werden die bewegten Bilder auf einer Festplatte in Form eines kleines Kästchens an das Capitol Theater geliefert.

 

 

Voraussichtlich im Februar, schätzt Betreiber Bernd Schmitz, werden sich die Vorhänge im großen Saal des Traditionshauses für die erste komplett digitale Vorstellung öffnen. „Ich bin gespannt, wie das rüberkommt“, sagt Schmitz, denn die neue Projektionstechnik verheißt nicht nur beste Qualität bis zur letzten Vorstellung ohne Abnutzungserscheinungen, sondern auch lichtstärkere und stets scharfe Bilder, ohne nachregeln zu müssen.


In die dritte Dimension will Schmitz aber nicht schweifen, denn die Technik überzeugt ihn nicht vollends: In den USA sei der Trend schon rückläufig, und die plastischen Bilder bedeuten auch einen erheblich größeren Personaleinsatz. Es ist eine Investition für die Zukunft des Lichtspielhauses, rund 130 000 Euro wird die Ausstattung beider Kinosäle mit Digitalprojektoren und den dazugehörigen Servern kosten.


Fast ebenso viel wie Schmitz und seine Partnerin Silke Heumann in die Renovierung der beiden Säle gesteckt haben. Stühle, Boden, Wandbespannung, Beleuchtung, Servicetische, Theke: Alles wurde im September des vergangenen Jahres auf den neuesten Stand gebracht. Eine stressige Zeit war dies für Schmitz und Lebensgefährtin, in die noch die Geburt des zweiten Sohnes David fiel.


Nach der Generalüberholung des Familienbetriebes ist es nur konsequent, dass die Projektionstechnik nun auch zukunftsweisend verändert wird. In drei oder vier Jahren, so schätzt der Betreiber, wird das analoge Material völlig ausgedient haben und die visuelle und akustische Präsentation nur noch aus einem Wust aus Einsen und Nullen bestehen.


Sowohl vom Land als auch vom Bund wird die Umstellung gefördert. Für Saal eins hat Schmitz die Zusage des Landes, 20 000 Euro Unterstützung zu leisten, und der Bund trägt rund 70 Prozent der Ausgaben – nach strengen Kriterien, etwa, wie viele deutsche und europäische Filme gezeigt werden, wird diese Quote festgesetzt. „Es geht dabei darum, die Vielfalt in der Filmlandschaft zu erhalten“, sagt Schmitz. Und die bietet er. Natürlich läuft auch Twilight bei ihm, natürlich ist dann das Kino voller Teenager, und natürlich können auch an den Film angelehnte Drinks wie „Bellas Errötung“ an der Bar geschlürft werden.


Aber Schmitz und sein 14-köpfiges Team auf 400-Euro-Basis bieten eben auch alles, was von einem Programmkino erwartet wird, Reihen wie das „Filmfenster“ oder „Augenblicke“, Vorstellungen für Schulen, Kindergärten und mehr. „Man ist eigentlich wie ein Intendant“, sagt Schmitz, und von daher sei er „zu jeder Schandtat bereit“, um das Gemeinschaftserlebnis Kino zu bereichern.


Zunächst soll der große Saal digitale Bilder bieten, kurz darauf will Schmitz Kino 2 umrüsten lassen. Damit geht zwangsläufig auch eine Verarmung des Vorführer-Handwerks einher, aber ganz will der Kerpener nicht von der gewohnten Technik lassen: Einer der etwa 30 Jahre alten 35-Millimeter-Projektoren soll in der „Schaltzentrale“ des Lichtspielhauses verbleiben. Wer weiß, ob man ihn noch brauchen kann.


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