Klischees können sehr lustig sein Drucken E-Mail
Donnerstag, den 10. September 2015 um 18:33 Uhr

Murat Isboga war mit seinem neuen Comedy-Programm "Der Lieblingstürke" zu Gast im Capitol-Theater. Zugespitzte Klischees, übertriebener türkischer Akzent und Selbstironie würzten Isbogas witziges Programm mit letztendlich jedoch ernst gemeinter Botschaft.

 

Schon allein die Tatsache, dass er als Türke in dritter Generation in Deutschland lebe, sei lustig genug, um daraus ein Comedy-Programm zu machen, findet der Lüdenscheider Murat Isboga. Der Theaterpädagoge und Kabarettist war am Montag mit seinem neuen Soloprogramm „Der Lieblingstürke“ im Capitol-Theater zu Gast. Er sprach über seine „schwierige“ Kindheit, über „Intekrassion“ oder die Unterschiede zwischen Deutschen und Türken. Zugespitzte Klischees, übertriebener türkischer Akzent, Charme und Selbstironie würzten Isbogas witziges Programm mit letztendlich jedoch ernst gemeinter Botschaft. Den Comedy-Abend veranstaltet hatten die Kolpingstadt Kerpen und die Gesellschaft für interkulturelle Verständigung (GIVE), die seit 2011 im Raum Kerpen und Düren etwa Hausaufgabenbetreuung, Deutsch-Kurse und weitere Bildungs- aber auch Freizeitangebote organisiert.


„Ich will die Nationen zusammen bringen“ Egal, ob Isboga „die Deutschen“ oder „die Türken“ durch den Kakao zog – über die Witze lachten die Besucher im Capitol gleichermaßen. Zweck erfüllt. „Ich will die Nationen zusammen bringen“, so der 32-Jährige, der zuletzt im Frühjahr mit der von ihm gegründeten deutsch-türkischen Theatergruppe „Halber Apfel“ und dem Stück „Stefanie integriert die Öztürks“zu Gast in der Jahnhalle gewesen war.


Isboga zeigte humorvoll und übertrieben an kleinen Beispielen des Alltags, wie Deutsche ticken, wie Türken ticken, wie das zusammen passt oder auch nicht und zu welchen Missverständnissen das alles führen kann. Es sei schon vorgekommen, dass eine türkische Mutter in ihrem Hochzeitskleid zum Elternsprechtag kam oder einem Autofahrer zum Dank den Mittelfinger zeigte. Dass hingegen eine deutsche Mutter dem türkischen Jungen auf Besuch freudestrahlend und stolz verkündete, sie habe Schweinehackbraten gemacht.


Klischees spielten oft eine Rolle im Comedy-Programm. An deren Entstehung seien die Medien nicht unschuldig, wusste Isboga. Schließlich hätten sie es in den letzten Jahren geschafft, dass man einen Mann mit dunklem Bart automatisch mit Terrorismus assoziiere. „Selbst mein Vater hat schon zu mir gesagt: »Junge, geh mal zum Friseur, du siehst aus wie ein Terrorist«“, plauderte Isboga und erzählte, wie er eine bestellte Wanduhr von der Post abholte. In einem großen Karton. Mit dem er an der Haltestelle auf den Bus wartete: „Ich. Mann mit Bart. Großer Karton auf dem Schoß. Karton tickt.“ Die alte Frau neben ihm habe ihn aus vor Angst geweiteten Augen angesehen und sei schließlich lieber zu Fuß gegangen. „Verdammt, wir haben beide das selbe gedacht, aber wir haben nicht darüber geredet“, entrüstete sich der Comedian, der glaubt: „In den vergangenen 20, 25 Jahren ist vieles besser geworden, aber wir kennen uns immer noch nicht richtig“ und rät: „Miteinander reden wäre doch ein guter Anfang.“ Zumindest das Miteinander lachen klappte in Kerpen schon ganz gut.


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