Schauspielerin Siir Eloglu - Leben in zwei Kulturkreisen Drucken E-Mail
Montag, den 06. Februar 2012 um 15:19 Uhr

Kaum war der Applaus beim Abspann des Films „Almanya – Willkommen in Deutschland“ im Capitol-Theater verklungen, reckten sich zahllose Kinderarme in die Luft und Siir Eloglu sah sich immenser Neugier ausgesetzt.

 

KERPEN - Kaum war der Applaus beim Abspann des Films „Almanya – Willkommen in Deutschland“ im Capitol-Theater verklungen, reckten sich zahllose Kinderarme in die Luft und Siir Eloglu sah sich immenser Neugier ausgesetzt. Ob die in Istanbul geborene Schauspielerin – die die Figur Leilain der Komödie über eine türkische Einwanderfamilie in Deutschland verkörpert – mit einem Deutschen oder Türken verheiratet sei? Sie habe einen deutschen Freund, erzählte Eloglu den Sechtsklässlern der Willy-Brandt-Gesamtschule.


Mit ihrer Filmfigur eine sie, dass sie ebenfalls im Alter von etwa vier Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen sei. Das Erlernen der fremden Sprache im Kindergarten sei relativ schnell gegangen, erzählte sie den Schülern, denn außerhalb der Familie habe sie keine Gelegenheit gehabt, Türkisch zu sprechen. In der Domstadt wuchs sie auf, daher ging ihr rasch ihr erstes kölsches Wort „Rievkooche“ von den Lippen. Und auch andere Besonderheiten der neuen Heimat hielten bald Einzug in den Familienalltag. So sorgten Siir Eloglu und ihr Bruder dafür, dass Weihnachtengefeiert wurde – obwohl ihre Eltern, ähnlich wie in dem Film, auch erst nicht so recht wussten, wie das im Detail auszugestalten sei.

 

„Das Drehbuch zu Almanya hat mich von Anfang an sehr begeistert“, schilderte die Schauspielerin, denn die Charaktere seien völlig frei von üblichen Klischees. „Die Religion spielt keine Rolle, wie es auch bei vielen anderen Türken der Fall ist.“ Den großen Erfolg des Films – 1,4 Millionen Zuschauer machten ihn zum erfolgreichsten deutschen Streifen im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres – erklärt sie sich auch damit, dass die Geschichte ein neues Publikum erschlossen habe, beispielsweise viele Deutsche mit Migrationshintergrund. Auf jeden Fall habe er zu größerem Austausch und mehr Kenntnissen über die andere Kultur geführt und damit zum Abbau von Vorurteilen, findet sie.


Drei Monate lang dauerte die Drehzeit, berichtete sie den Schülern, die Szenen in der Türkei entstanden in der Nähe von Izmir. „Es war ein sehr fahrintensives Erlebnis“, denn ähnlich wie die Familie im Film waren auch Schauspieler und Crew ständig mit dem Bus unterwegs. Leicht fiel ihr die Antwort auf die Frage, in welchem Land die Dreharbeiten angenehmer gewesen seien. In der Türkei, wegen der höheren Temperaturen. In München nämlich, wo die deutschen Passagen in Szene gesetzt wurden, war gerade Winter.

Im Rahmen der alljährlichen Schulkinowochen hatten die Schüler Gelegenheit, die Schauspielerin, die Anfang der 90er Jahre mit einer Rolle in der Serie „Stadtkrankenhaus“ bekannt wurde, mit Fragen zu löchern. Für die Moderation sorgte Günther Kinstler, Medienpädagoge und Referent der Schulkinowoche.


Die landesweite Veranstaltungsreihe solle vornehmlich Medienkompetenz vermitteln, sagte Kinstler. Die Resonanz auf das Lernen im Kino, das mit Unterrichtsmaterialien vor- und nachbereitet werden kann, werde jährlich größer, sagt Capitol-Betreiber Bernd Schmitz. In diesem Jahr seien 1800 Schüler angemeldet worden.


Vermisst Siir Eloglu ihr Geburtsland? Sechs Jahre alt war sie, als sie das erste Mal wieder in die Türkei reiste. „Es waren nur höchstens sechs Wochen in den Sommerferien. Ich hatte nie das Gefühl, dass das unser Leben ist.“

 

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